Jannick Piskorski: Review of the Book „Okzidentalismen“

In dem Gemälde Velasquez, Picasso, me and Naseeruddin Shah’s wives (2017) schreitet die Künstlerin Simin Keramati in Anlehnung an Diego Velázquez‘ Las Meninas (1656) aus dem blauen Bildhintergrund ihres Gemäldes zwischen zwei westlichen „Heroen“ der Kunstgeschichte: Picasso und Velázquez. Das Bild dient als Umschlagsgestaltung des Sammelbandes Okzidentalismen: Projektionen und Reflexionen des Westens in Kunst, Ästhetik und Kultur und stimmt auf den darin verhandelten Themenkomplex ein.

[…]

In Erweiterung ihres Beitrages aus dem Sammelband Kritik des Okzidentalismus (2009) analysiert Gabriele Dietze die Geschichte des Rassismus in Deutschland im Sinne einer dekolonialen Bestrebung mit Bezug auf die postkoloniale Theorie und die Critical Whiteness Theory. [5] Okzidentalismus wird von Dietze als ethnonationalistische Selbstverortung aufgefasst, in der die Zugehörigkeit zur Kategorie „deutsch“ über die Ab- und Ausgrenzung des „muslimischen“ Anderen konstruiert wird. Dietze beschreibt in ihrer Darstellung auch den Antisemitismus in Deutschland, klammert jedoch den Antislawismus aus, obwohl sich auch hier die Geschichte des deutschen Rassismus und die damit verbundenen rassistisch motivierten Verbrechen gegen die Menschlichkeit von „Weißen“ gegen „weiße“ Menschen kristallisiert haben.

Die Vielfältigkeit der untersuchten Regionen ist die große Stärke des Buches. Trotzdem fällt das Fehlen einer Perspektive auf das östliche Europa auf, denn bereits vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der sich über ein Feindbild des Westens zu legitimieren versucht, hat es einen Diskurs um die Wahrnehmung des Westens im östlichen Europa gegeben. Dieses Phänomen könnte und sollte ebenso in Bezug auf Okzidentalismen beleuchtet werden.

Ganzer Text unter: http://www.sehepunkte.de
/2023/09/37951.html

Jannick Piskorski: Rezension von: Birgit Mersmann / Hauke Ohls (Hgg.): Okzidentalismen. Projektionen und Reflexionen des Westens in Kunst, Ästhetik und Kultur, Bielefeld: transcript 2022, in: sehepunkte 23 (2023), Nr. 9 [15.09.2023].

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